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Ab wann ist man alkoholabhängig? Anzeichen, Kriterien und ein ehrlicher Selbsttest

Die Grenze zwischen Genuss und Abhängigkeit verläuft oft schleichend, und viele Betroffene bemerken sie lange nicht. Dieser Ratgeber erklärt anhand der offiziellen WHO-Kriterien, ab wann Fachleute von einer Alkoholabhängigkeit sprechen, welche Anzeichen typisch sind und wo du oder deine Angehörigen Hilfe finden. Wichtig vorweg: Eine Sucht ist eine behandelbare Krankheit und kein persönliches Versagen.

Kurz gesagt

Es gibt keine feste Menge, ab der man automatisch alkoholabhängig ist. Nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation liegt eine Abhängigkeit vor, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei von sechs Kriterien zutreffen, darunter starkes Verlangen, Kontrollverlust, Toleranz und Entzugserscheinungen. Der Selbsttest unten hilft dir, deinen Konsum einzuordnen. Er ersetzt keine Diagnose, kann aber ein erster Schritt sein. Hilfe ist anonym und kostenlos erreichbar.

Was bedeutet Alkoholabhängigkeit?

Alkoholabhängigkeit, auch Alkoholsucht oder Alkoholkrankheit genannt, ist eine anerkannte Erkrankung. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten ist sie unter der Diagnose F10.2 verzeichnet. Sie entwickelt sich meist über viele Jahre und bleibt lange unbemerkt, auch weil der regelmäßige Konsum von Alkohol in unserer Gesellschaft weit verbreitet und akzeptiert ist. Genau das macht es so schwer, die eigene Grenze zu erkennen.

Nach dem Jahrbuch Sucht der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen konsumieren mehrere Millionen Menschen in Deutschland Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Die Dunkelziffer der Betroffenen gilt als hoch, weil eine Sucht oft mit einer getrübten Selbstwahrnehmung einhergeht.

Ab wann ist man alkoholabhängig? Die sechs Kriterien der WHO

Ob eine Abhängigkeit vorliegt, machen Fachleute nicht an einer Trinkmenge fest, sondern an bestimmten Merkmalen. Die Weltgesundheitsorganisation nennt in der ICD-10 sechs Kriterien. Von einer Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn innerhalb der letzten zwölf Monate mindestens drei davon gleichzeitig zutreffen.

1

Starkes Verlangen (Craving)

Ein kaum kontrollierbarer, oft übermächtiger Drang, Alkohol zu trinken.

2

Verminderte Kontrollfähigkeit

Beginn, Menge und Ende des Trinkens lassen sich nicht mehr zuverlässig steuern. Aus einem Glas werden regelmäßig mehr.

3

Toleranzentwicklung

Es wird immer mehr Alkohol nötig, um dieselbe Wirkung zu erzielen. Der Körper gewöhnt sich an die Substanz.

4

Entzugserscheinungen

Wird weniger getrunken oder pausiert, kommt es zu körperlichen Zeichen wie Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Schlafstörungen, die beim erneuten Trinken verschwinden.

5

Einengung auf den Alkohol

Das Leben dreht sich zunehmend um den Konsum. Andere Interessen, Hobbys und Kontakte werden vernachlässigt.

6

Konsum trotz schädlicher Folgen

Getrunken wird weiter, obwohl körperliche, seelische oder soziale Schäden bereits spürbar sind.

Selbsttest: Wie steht es um deinen Konsum?

meinpromille.de

Beantworte die sechs Fragen ehrlich mit Blick auf die letzten zwölf Monate. Der Test orientiert sich an den WHO-Kriterien und gibt dir eine erste Einordnung. Er ist anonym, nichts wird gespeichert.

Ich verspüre ein starkes Verlangen, Alkohol zu trinken.

Ich kann nur schwer kontrollieren, wann ich anfange und wann ich aufhöre zu trinken.

Ich vertrage mehr als früher und brauche mehr für dieselbe Wirkung.

Wenn ich nicht trinke, treten Zeichen wie Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Schlafprobleme auf.

Alkohol nimmt viel Raum in meinem Alltag ein, anderes habe ich dafür zurückgestellt.

Ich trinke weiter, obwohl es mir körperlich, seelisch oder sozial schadet.

Beantworte die Fragen0 von 6

Sobald du alle Fragen beantwortet hast, siehst du hier deine Einordnung.

Dieser Selbsttest ist keine ärztliche Diagnose. Eine Abhängigkeit kann nur eine Ärztin, ein Arzt oder eine Suchtberatung feststellen. Wenn dich das Ergebnis beunruhigt, wende dich an eine der Stellen weiter unten.

Riskanter Konsum ist noch keine Sucht

Zwischen unbedenklichem Trinken und einer Abhängigkeit liegt der riskante Konsum. Er schädigt die Gesundheit, erfüllt aber noch nicht die Kriterien einer Sucht. Als Orientierung, ab wann Alkohol gesundheitlich riskant wird, nennt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung folgende Richtwerte für die durchschnittliche Menge, die nicht überschritten werden sollte.

Orientierungswerte der BZgA. Für Männer höchstens rund 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag, das entspricht etwa 0,5 bis 0,6 Litern Bier. Für Frauen höchstens rund 12 Gramm pro Tag, also etwa ein kleines Glas Wein. An mehreren Tagen pro Woche sollte gar kein Alkohol getrunken werden. Bei älteren Menschen liegen die Werte niedriger. Aus heutiger Sicht gilt: Für die Gesundheit gibt es keine völlig risikofreie Menge Alkohol.

Wie viel reiner Alkohol in deinen Getränken steckt, kannst du im Ratgeber Wie viel Promille nach Bier und Wein nachlesen. Wie lange dein Körper braucht, um Alkohol wieder abzubauen, erklärt der Ratgeber zum Alkoholabbau.

Typische Warnsignale im Alltag

Neben den medizinischen Kriterien gibt es Verhaltensmuster, die auf ein Problem hindeuten können, oft schon bevor eine Abhängigkeit voll ausgeprägt ist. Dazu zählen wiederholte, erfolglose Versuche, weniger zu trinken oder eine Pause einzulegen. Auch heimliches Trinken, das Anlegen von Vorräten, ein schlechtes Gewissen nach dem Konsum oder Gedächtnislücken sind Warnzeichen. Wenn Angehörige den Konsum ansprechen und das auf Abwehr oder Verharmlosung stößt, ist das ebenfalls ein Signal, genauer hinzuschauen.

Wichtig beim Aufhören. Wer über längere Zeit viel getrunken hat, sollte nicht abrupt und allein aufhören. Ein plötzlicher Entzug kann zu ernsten körperlichen Reaktionen bis hin zu Krampfanfällen führen. Ein Entzug gehört deshalb ärztlich begleitet. Sprich vorher mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer Suchtberatung.

Wo du Hilfe findest

Alle Angebote sind vertraulich. Du musst deinen Namen nicht nennen, und Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke.

Rund um die Uhr
01806 313031
Sucht und Drogen Hotline, täglich 24 Stunden. 0,20 € pro Anruf.
BZgA-Beratung
0221 892031
Info-Telefon zur Suchtvorbeugung. Mo bis Do 10 bis 22 Uhr, Fr bis So 10 bis 18 Uhr.
Online und anonym
Kostenlose, anonyme Online-Suchtberatung für Betroffene und Angehörige.
Information und Selbsttest
Das Portal der BZgA mit Infos, Selbsttest und Adressen von Beratungsstellen.

In einer akuten Krise wähle den Notruf 112. Wenn du mit jemandem sprechen möchtest, ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr kostenlos und anonym unter 0800 1110111 oder 0800 1110222 erreichbar.

Häufige Fragen

Ab welcher Menge ist man alkoholabhängig?+

Es gibt keine feste Menge, ab der man automatisch abhängig ist. Entscheidend ist nicht, wie viel jemand trinkt, sondern ob die sechs WHO-Kriterien zutreffen, etwa Kontrollverlust, starkes Verlangen oder Entzugserscheinungen. Sind in den letzten zwölf Monaten drei davon gleichzeitig erfüllt, spricht man von einer Abhängigkeit.

Was sind die ersten Anzeichen einer Alkoholsucht?+

Frühe Warnsignale sind wiederholte, erfolglose Versuche, weniger zu trinken, ein wachsendes Verlangen, steigende Toleranz sowie heimliches Trinken und ein schlechtes Gewissen danach. Auch wenn sich der Alltag zunehmend um Gelegenheiten zum Trinken dreht, ist das ein Hinweis.

Ist der Selbsttest eine sichere Diagnose?+

Nein. Der Selbsttest orientiert sich an den WHO-Kriterien und gibt dir eine erste Einordnung, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung. Eine Diagnose kann nur eine Ärztin, ein Arzt oder eine Suchtberatung stellen. Wenn dich das Ergebnis beunruhigt, ist ein Gespräch mit einer der Beratungsstellen der richtige nächste Schritt.

Ist Alkoholabhängigkeit heilbar?+

Alkoholabhängigkeit ist eine behandelbare Krankheit. Mit professioneller Hilfe, etwa durch Suchtberatung, ärztliche Begleitung und Selbsthilfegruppen, gelingt vielen Menschen ein Weg aus der Sucht. Der Weg ist individuell, und ein Rückfall bedeutet keinen Misserfolg, sondern gehört für manche zum Prozess dazu.

Kann ich einen Entzug einfach zu Hause machen?+

Nach längerem, starkem Konsum sollte ein Entzug nicht allein und abrupt erfolgen. Der Körper kann heftig reagieren, im schlimmsten Fall mit Krampfanfällen. Ein Entzug gehört ärztlich begleitet. Wende dich vorher an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Suchtberatung.

Was kann ich tun, wenn ein Angehöriger betroffen ist?+

Sprich das Thema ruhig und ohne Vorwürfe an, und mach deutlich, dass du dir Sorgen machst. Gut gemeinte Hilfe kann eine Sucht ungewollt verstärken, etwa wenn Folgen abgefedert werden. Beratungsstellen und die Sucht und Drogen Hotline beraten ausdrücklich auch Angehörige und zeigen, wie du unterstützen kannst, ohne dich selbst zu überfordern.

Rashmi Khanna, Redakteurin bei meinpromille.de

Erstellt von

Rashmi Khanna

Redakteurin für Gesundheits- und Verbraucherthemen

Rashmi schreibt bei meinpromille.de über Gesundheitsthemen rund um Alkohol und Körper. Für diesen Ratgeber hat sie die Kriterien der Alkoholabhängigkeit an der ICD-10 der WHO und den Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung geprüft. Die genannten Hilfsangebote wurden anhand offizieller Stellen verifiziert.

Fachlich geprüft von

Prof. Dr. med. Christoph Boesecke

Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie, Zusatzbezeichnung Suchtmedizinische Grundversorgung · Universitätsklinikum Bonn

Prof. Dr. med. Christoph Boesecke ist Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie am Universitätsklinikum Bonn und verfügt zusätzlich über die Zusatzbezeichnung Suchtmedizinische Grundversorgung. Er hat die medizinischen Angaben dieses Ratgebers, insbesondere die WHO-Kriterien und die Einordnung von riskantem Konsum, fachlich durchgesehen.

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Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Diagnose F10.2: Merkmale der Alkoholabhängigkeit, wiedergegeben durch die Bundesärztekammer. bundesaerztekammer.de
  2. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Alkohol? Kenn dein Limit: Alkoholismus, Anzeichen und Hilfe. kenn-dein-limit.de
  3. Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen: Beratungsangebote und Hotline-Nummern. bundesdrogenbeauftragter.de

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Beratung. Wenn du dir Sorgen um deinen Alkoholkonsum oder den einer nahestehenden Person machst, wende dich an eine der genannten Stellen.


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